100 Jahre Burgenland

Erstellt von LGF Wolfgang Wildberger |

Heuer gedenkt Burgenland seiner 100-jährigen Zugehörigkeit zu Österreich. Der Anschluss dieses Teils von Westungarn an Österreich erfolgte aber keinesfalls friedlich, sondern wurde mit dem Blut gefallener Soldaten und Gendarmen sowie ermordeter Zivilisten teuer erkauft. Die Landesstelle Burgenland beteiligte sich im Rahmen einer unter dem Schirm des Militärkommandos stehenden Arbeitsgemeinschaft an der Suche der im Rahmen der Landnahme des Burgenlandes zu Tode gekommenen Gendarmen und Soldaten und, soweit möglich, der ermordeten Zivilisten. Es konnten alle Begräbnisorte lokalisiert werden, bis auf drei sind die Grabstätten auch noch vorhanden. Durch die Landesstelle wurden an all diesen Kränze oder Gestecke abgelegt und Kerzen entzündet.

 

Im Friedensvertrag von St.Germain wurde bereits am 19.September 1919 das Burgenland – damals noch mit der vorgesehenen Hauptstadt Ödenburg – Österreich zugesprochen.
Ungarn, das ja viel von seinem Territorium aus der k.u.k. Zeit an die Tschechoslowakei, an Rumänien und das nachmalige Jugoslawien verlor, wollte wenigstens den Verlust Deutsch-Westungarns an Österreich mit allen Mitteln verhindern. Daher unterstützte die Regierung inoffiziell die ungarischen paramilitärischen Freischaren, die auf burgenländischem Gebiet eine massive Einschüchterungspolitik mit Waffen betrieben.
uf Geheiß der Interalliierten Kommission durfte das Bundesheer nicht aktiv einschreiten, die Landnahme sollte ab 28.August 1921 lediglich durch Gendarmerie und Zollwache erfolgen. Das neu geschaffene Bundesheer führte seinen Einsatz in drei Phasen durch:
Phase 1: Sicherung der (alten) Staatsgrenze, also der Ostgrenze Niederösterreichs und der Steiermark
Phase 2: Landnahme des neuen Bundeslandes, sobald die Interalliierte Kommission grünes Licht dazu gibt.
Phase 3: Sicherung der neuen Staatsgrenze gegenüber Ungarn

Elf Gendarmen und 32 Soldaten opferten für das neue Bundesland ihr Leben, bis auf wenige Ausnahmen alle während der Phase 1. Es kam es auch zu Kämpfen auf österreichischem Gebiet. Beim schwersten Gefecht von Kirchschlag hatte das Bundesheer sieben Gefallene und 15 Verwundete zu beklagen, drei in Gefangenschaft geratene Soldaten wurden später ermordet aufgefunden.
Die Landnahme sollte also ab dem 28.August lediglich durch die österreichische Gendarmerie erfolgen. Die Gendarmen rückten in 11 Kolonnen vor, wurden schon bald in heftige Gefechte verwickelt und mussten sich wieder auf österreichisches Gebiet zurückziehen.

Burgenland kurzfristig ein eigener Staat
Ende September 1921 musste Ungarn einsehen, dass es dieses westungarische Gebiet doch an Österreich abtreten muss und zog seine Verwaltungsorgane sowie sein reguläres Militär ab. Der Name „Burgenland“ hatte sich durchgesetzt, da die deutschen Bezeichnungen der ungarischen Verwaltungsbezirke, Komitate genannt, die Gebiete an Österreich abgeben mussten, auf „burg“ endeten – Pressburg, Wieselburg, Ödenburg, Eisenburg.
Daraufhin rief Freischärlerführer Paul von Prónay am 4.Oktober 1921 in Oberwart kurzerhand einen eigenen Staat auf dem Gebiet des Burgenlandes aus – Lajta Banat, zu Deutsch Leitha-Banat! Die Bürgermeister wurden mehr oder weniger gezwungen, eine Loyalitätserklärung zu unterschreiben. Der nicht anerkannte Staat hob sogar Zölle ein und ließ eigene Marken drucken. Nach einem Monat war dann der Spuk zu Ende.
Nachdem das Österreichische Bundesheer in der Phase 2 zwischen 13. und 17. November 1921 das nördliche Burgenland besetzt hatte, rückte es ab dem 25.November auch in das mittlere und südliche Burgenland ein. Ödenburg, diese mehrheitlich deutschsprachige Stadt ging mit seinem Umland nach massiven Wahlbetrügereien der ungarischen Seite in der Volksabstimmung von 14. bis 16.Dezember 1921 verloren.
Das Grenzgebiet blieb noch einige Zeit unruhig; so kam es noch im Jahr 1922 bei Hagensdorf, das schon österreichisch war, und Luising, das noch bis 1923 ungarisch blieb, zu einem heftigen Gefecht mit etwa 50 Freischärlern. Bei Apetlon wurde ein Gendarm bei einem Überfall von Freischärlern getötet.

Die Landesstelle Burgenland appelliert an alle Veranstalter, bei diversen Gedenkfeiern nicht nur der Opfer der beiden Weltkriege, sondern auch der Gendarmen und Soldaten zu gedenken, die damals für das Burgenland ihr Leben gegeben haben, aber in gleichem Ausmaß auch die zivilen Opfer nicht zu vergessen, die lediglich Österreicher werden wollten.                

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Böheimkirchen/Maria Jeitendorf: Grab des ersten bei St. Margarethen gefallenen Gendarmeriebeamten Michael Trattner
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Burgauberg: Gedenkstein für den am 28. August erschossenen Zivilisten Ferdinand Schmidt
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Ödenburg/Sopron: Grab des am 29. August bei Agendorf/Agfálva gefallenen Gendarmeriebeamten Arnold Mosch neben dem Grab eines bei diesem Gefecht gefallenen Freischärlers
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Foto aus einer Zeitung des nicht mehr existierenden Grabmals des am 31. August bei Kohfidisch ermordeten Notärs von St. Michael Josef Illes
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Szent Gotthárdt: Grab eines am 31. August in einem Gefecht mit dem Bundesheer beim steirischen Hohenbrugg gefallenen ungarischen Freischärlers
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Wien, Zentralfriedhof: Grab des am 4. September beim steirischen Sinnersdorf gefallenen Gendarmeriebeamten Adalbert Cervicek
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Kranzniederlegung durch Landeshauptmann Doskozil am Grab des am 5. September bei Bubendorf gefallenen Tiroler Gendarmeriebeamten Felix Delavedova
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Gemeinschaftsgrab für die am 5.September im Gefecht von Kirchschlag/NÖ gefallenen Bundesheer-Soldaten am Ortsfriedhof von Kirchschlag
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9. Kirchschlag: Teilnehmer an der Kranzniederlegung beim Grab: v. l.: Vizepräsident des ÖKB NÖ Ernst Osterbauer, Präsident ÖKB Bgld. Ernst Feldner, Präsident ÖSK Österreich Peter Rieser, Landesgeschäftsführer ÖSK NÖ Reinhard Wildling
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Kirchschlag: Gedenkstein für die bei Kirchschlag gefallenen Bundesheer-Soldaten
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Kirchschlag: Gedenkfeier am 4. September: ÖKB-Abordnungen
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Kirchschlag: Gedenkfeier am 4. September: Einmarsch der Gardemusik
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Kirchschlag: Gedenkfeier am 4. September: Einmarsch der Gardemusik
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Salmannsdorf: Gedenktafel für den am 7. September in Pilgersdorf hingerichteten Zivilisten Johann Baumgartner
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Wöllersdorf: Grab des am 18. September bei Hochneukirchen/NÖ gefallenen Gendarmeriebeamten Leo Fleischhacker
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16. Bruck a.d.L: Grab der am 24. September gefallenen Bundesheer-Soldaten Josef Pekarek und Emil Gross
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Graz/Zentralfriedhof: Gemeinschaftsgrab für die am 1. November bei Pinggau im Zuge eines Einsatzes mit dem LKW abgestürzten 10 Soldaten des Alpenjägerregiments Nr.9
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Wien/Zentralfriedhof: Gemeinschaftsgrab für sechs im Zuge eines Einsatzes mit dem LKW am 3. November bei Edlitz verunglückten Soldaten
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19. Wien/Zentralfriedhof: Grab des im Zuge des LKW-Unglücks bei Edlitz am 3. November tödlich verletzten Generalstabsarztes Dr. Eugen Turnowsky
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20. Wiener Neustadt: Gemeinschaftsgrab für drei zusammen mit Bundesheer-Soldaten bei Edlitz tödlich verunglückten Gendarmeriebeamten sowie des am 25. März 1922 bei Apetlon letzten gefallenen Gendarmeriebeamten Johann Jüttner