ÖSTERREICHISCHES SCHWARZES KREUZ -
KRIEGSGRÄBERFÜRSORGE

VERSÖHNUNG ÜBER DEN GRÄBERN

Antritts-Rede von Präsident Dr. Karner, gehalten anlässlich der Kuratoriums-Festsitzung

Sehr geehrter Herr Bundesminister,
Exzellenzen, hohe Geistlichkeit,
meine Damen und Herren!

Stefan Karner, Präsident des ÖSK

Zunächst möchte ich für das Vertrauen danken, das mir heute geschenkt wurde. Gemeinsam mit meinem Generalsekretär Thomas Rapatz, dem Vorstand, dem Präsidium und Euch als Kuratoren trete ich nun in eine Spur, die meine Vorgänger vorgezeichnet haben: von Klepsch-Kircher, Jaus, Rabl und Schöll bis Peter Rieser, der zuletzt dem ÖSK drei Perioden vorstand sowie den Generalsekretären, von Helmut Kreuzwirth bis Alexander Barthou.

Präsident Peter Rieser und Generalsekretär Alexander Barthou übergeben ein geordnetes Haus und gemeinsam mit Euch, werden sich der neugewählte Vorstand und das Präsidium bemühen, das Österreichisches schwarze Kreuz auf diesem soliden Fundament fortzuführen. Unsere Arbeit ist vor allem Gedenkarbeit. Die Gedenkarbeit aber ist vor allem Arbeit für den Frieden und steht an erster Stelle. Gleichzeitigaber werden – den aktuellen Erfordernissen entsprechend – auch neue Akzente zu setzen sein.

Das ÖSK wurde vor über 100 Jahren gegründet. Pate standen vor allem die Erfahrungen des Ersten Weltkrieges. Die Aufgabe war vor allem die Pflege der Kriegsgräber österreichischer Soldaten im In- und Ausland. Sie sollten Erinnerung und Mahnung zugleich sein. Mit Hilfe des Österreichischen Bundesheeres, der Landesregierungen, des Bundesministeriums für Inneres, der österreichischen Botschaften und Militärattachés in den einzelnen Ländern, des Einsatzes vieler freiwilliger Helfer und den vielen Sammlern zu Allerheiligen auf den Friedhöfen, schafft es das Schwarze Kreuz, die große Zahl an Aufgaben zu bewerkstelligen. Von der Pflege der über 1.000 Grabanlagen im Inland und der rund 400 Grabanlagen des Ersten Weltkrieges, v.a. in Italien, Polen, der Ukraine und in Russland, bis zu Nachforschungen nach Vermissten des Zweiten Weltkriegs, den Grablagen ausländischer Kriegstoter in Österreich, von Russen, Ukrainer, Kasachen und Moldauern, den notwendigen Vernetzungen in der europäischen Kriegsgräberarbeit bis zu öffentlichen Veranstaltungen, der Herausgabe einer Zeitschrift und einer Website. 

Dennoch wird das Österreichische schwarze Kreuz in Zukunft noch stärker wahrgenommen werden müssen. Wir werden die Menschen abholen, dort, wo wir sie für unsere Ideen und Ziele finden. Der mediale und persönliche Einsatz wird vergrößert werden: Es gilt das Interesse zu wecken, bei Schülern, Lehrlingen, Vortragenden und Kulturschaffenden. Ebenso in den Auslandsvertretungen Österreichs. Das eben erschienene neue Mitteilungsblatt gibt eine erste Richtung vor, die mediale Arbeit über Social Media wird verstärkt werden, ebenso wie die internationale Zusammenarbeit. Denn es gilt, vor allem bei den jungen Menschen, die ohne persönliche Kriegs- und Leidenserfahrung sind, jene Bereitschaft zur Akzeptanz der Friedensarbeit des Österreichische schwarzen Kreuzes zu wecken, die notwendig sein wird, um dieses als starken Akzent der österreichischen Zivilgesellschaft zu erhalten und die Erinnerung an Hunderttausende, in Kriegen getötete Menschen als Mahnung aufrecht zu erhalten. Eine Gedenkkultur in Tradition, aber offen für das Neue. Dabei werden die westlich-demokratischen Werte im Rahmen unserer Arbeit hochhalten und täglich zu verteidigen sein.

Das Österreichische schwarze Kreuz ist als Verein organisiert und verfügt konstitutiv über mit neun Landesgeschäftsstellen. Diese innere Struktur hat große Vorteile in der Effizienz bei Einsätzen vor Ort, in der lokalen Ge- und Verbundenheit sowie im Auftreten. Wir werden diese Vorteile verstärkt nützen. Ich darf die Landesgeschäftsführer vorstellen:

Burgenland: Wolfgang Wildberger,
Kärnten Albin Gotthard,
Niederösterreich: Reinhard Wilding,
Oberösterreich: Johannes Kainzbauer,
Salzburg: Josef Hohenwarter,
Steiermark: Dieter Allesch,
Tirol: Thomas Huter,
Vorarlberg: Erwin Fitz und
 Wien: Claus Heitz.

Dazu kommt in besonderer Verbindung der Präsident des Südtiroler Schwarzen Kreuzes, Hans Duffek.

Unsere zukünftige Friedens- und Erinnerungsarbeit wird breit angelegt werden und über die Kriegsgräberanlagen hinaus auch weitere Bereiche umfassen, wie:

  • Opfer von politisch oder rassistisch motivierter Gewalt und Repression, inklusive traumatisierter Gruppen,
  • Den Schutz der Menschenrechte im Rahmen unserer Aufgaben
  • die Kenntlich- und Sichtbarmachung von Folgen militärischer Konflikte auf humanitärem Gebiet

Dies soll erreicht werden durch:

  • eine verstärkte Medienarbeit in allen Bereichen
  • eine starke Arbeits-Vernetzung mit ähnlichen Institutionen
  • die Implementierung von Unterrichtsteilen im Rahmen der politischen Bildung an den Schulen (Friedensbildung); dazu wird es einer Abstimmung mit dem Bildungsministerium bedürfen
  • einen verstärkten Freiwilligendienst;
  • gesellschaftliches Engagement
  • eine verstärkte Heranziehung von Gedenkdienern zur Ableistung ihres Dienstes bei Kriegsgräberanlagen im Ausland, die situationsbedingt behutsam reduziert werden;
  • die Erweiterung der Klärung von Schicksalen Kriegsgefangener aus den beiden Weltkriegen, vor allem bei Nachfragen der Enkelgeneration
  • Ausstellungen und Info-Veranstaltungen.

Wir werden dafür die entsprechenden Weichen innerhalb des Schwarzen Kreuz stellen – aufbauend auf den bisherigen Fundamenten: den Kuratoren in den Ländern und Bezirken, den seit vielen Jahren uns unterstützenden Vereinigungen in allen Bundesländern, dem Bundesministerium für Inneres, dem Österreichischen Bundesheer, dem Boltzmann-Institut, dem Österreichischen Kameradschaftsbund, den Freiwilligen Feuerwehren und allen Vereinen und Menschen, die unsere Friedens- und Kulturarbeit, unseren humanitären Beitrag für die Gesellschaft unterstützen wollen.

Modifikationen im internen Ablauf und eine moderne Büroorganisation werden zur Bewältigung der Aufgaben unabdingbar sein. Dazu wird es auch der finanziellen Hilfe des Staates und der Länder bedürfen. Gehen wir also heute gemeinsam an die Arbeit und führen wir das Österreichische Schwarze Kreuz mit unseren Kräften gemeinsam in die nächsten Jahre.

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

Stefan Karner, Präsident des ÖSK