Am 26. Jänner 2026 fand in der Kriegsgräberanlage in Lend im Bezirk Zell am See eine Gedenkfeier zur Enthüllung einer Kontextualisierungstafel beim Grab des Auschwitz-Arztes Franz Bodmann statt. Ziel der Veranstaltung war es, historische Verantwortung sichtbar zu machen und den Umgang mit belasteter Geschichte offen und kritisch zu reflektieren.
Die Gedenkstunde begann mit einem Musikstück der Abordnung der Polizeimusik Salzburg. Anschließend eröffnete Stephan Mlczoch, Leiter der Abteilung für Historische Angelegenheiten im Bundesministerium für Inneres, die Veranstaltung und begrüßte die Ehrengäste. Er begrüßte stellvertretend für die Landeshauptfrau von Salzburg Bundesrat Silvester Gfrerer, den Direktor des Salzburger Landesarchivs Oskar Dohle, die Bürgermeisterin der Gemeinde Lend Michaela Höfelsauer, den Vizepräsidenten des österreichischen Schwarzen Kreuzes und Landesgeschäftsführer für Salzburg Bgm. Josef Hohenwarter, die Schülerinnen und Schüler der Mittelschule Lend sowie alle anwesenden Gäste.
In seinem historischen Exkurs erläuterte Oskar Dohle, wie es dazu kam, dass der Kriegsverbrecher Franz Freiherr von Bodmann in der Kriegsgräberanlage in Lend beigesetzt wurde. Er erklärte zudem, warum dieses Grab nicht einfach aufgelassen werden kann und weshalb eine Kontextualisierung notwendig ist, um Geschichte verantwortungsvoll zu vermitteln.
Dazu wurde weiter ausgeführt, dass das Grab Franz Bodmanns und der Umgang damit in den vergangenen Jahren national wie international Gegenstand intensiver Diskussionen zeitigte. Als Kriegsgrab unterliegt es dem gesetzlichen Schutz der Kriegsgräberfürsorge. Gleichzeitig machte seine belastete Geschichte eine zeithistorische Einordnung notwendig. Die nun erfolgte Kontextualisierung ist ein wichtiger Schritt zu einer zeitgemäßen Erinnerungskultur. Sie ermöglicht es, den nachkommenden Generationen die Schrecken und langfristigen Auswirkungen von Krieg, Gewalt und menschenfeindlichen Ideologien eindrücklich vor Augen zu führen und das Bewusstsein für Verantwortung, Menschlichkeit und Frieden zu stärken.
Im Anschluss trugen die Kinder der Mittelschule Lend ein Lied vor, das zum Nachdenken anregte und der Gedenkfeier eine besonders eindrucksvolle Note verlieh.
Der Vizepräsident des Schwarzen Kreuzes, Bgm. Josef Hohenwarter, betonte die Wichtigkeit der Aufgaben und Leistungen des Schwarzen Kreuzes. Kriegsgräberfürsorge sei wichtiger, denn je und dürfe keinesfalls auf derartige Veranstaltungen beschränkt werden. Besonders hob er die gute Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Inneres und dem Land Salzburg hervor. Er dankte allen Beteiligten, die zur Entstehung der Gedenktafel und zur Organisation der sehr würdigen Veranstaltung beigetragen haben.
Bürgermeisterin Michaela Höfelsauer berichtete darüber, welche Entwicklungen sich in den vergangenen zehn Jahren seit dem Bekanntwerden der Person, die hier am Soldatenfriedhof begraben ist, in der Gemeinde Lend zugetragen haben und wie sich der Umgang mit diesem Ort verändert hat. Bundesrat Silvester Gfrerer unterstrich in seiner Ansprache die Bedeutung des Sichtbarmachens von Verbrechen und die Verantwortung, Geschichte nicht zu verschweigen, sondern bewusst aufzuarbeiten. Mit einem weiteren Beitrag der Schülerinnen und Schüler der Mittelschule Lend erfolgte schließlich die Enthüllung der Kontextualisierungstafel.
Im Widerspruch zum ärztlichen Berufsethos brachte Franz Bodmann als Arzt in Auschwitz unsagbares Leid und Tod über unzählige Menschen. Dabei nutzte er seine medizinischen Kenntnisse nicht zum Wohle der Menschheit, sondern gegen sie.
Kriegs- und Opfergräberfürsorge in Österreich
Die Republik Österreich ist aufgrund völkerrechtlicher Bestimmungen sowie der Kriegsgräberfürsorgegesetze verpflichtet, Kriegs- und Opfergräber des Ersten und Zweiten Weltkrieges dauernd und würdig zu erhalten – unabhängig davon, ob die Toten sich im Einzelfall verbrecherischer Handlungen schuldig gemacht haben. Für diese Aufgabe ist die Abteilung für historische Angelegenheiten im Bundesministerium für Inneres zuständig. Die Umsetzung erfolgt im konkreten Fall in mittelbarer Bundesverwaltung durch das Land Salzburg. Das Österreichische Schwarze Kreuz hat im Rahmen der Pflege von Kriegsgräbern einen wesentlichen Teil der Erhaltung seit mehr als 106 Jahren übernommen.
Die Gedenkfeier fand mit der Verabschiedung durch Abteilungsleiter Stephan Mlczoch, BMI, und der Bundeshymne, gespielt von der Polizeimusik Salzburg, ein würdiges Ende.


