Gefallenengedenken am Isonzo: Händereichen nach 12 Isonzo-Schlachten

Stilles Gedenken am italienischen Soldatenfriedhof in Karfreit - die ungarische, deutsche, österreichische und slowenische Delegation beim Niederlegen ihrer Kränze.

TOLMIN, 13.Mai 2017: Graublau schießt das Wasser von der Quelle des Isonzo (Soca) im Triglav-Massiv bergab Richtung Adria. Bewaldete Höhen bis hin zum Karst begleiten die Ufer und Berghöhen, die bis 1915 die österr.-ungarische Monarchie vom Königreich Italien getrennt haben.
100 Jahre später, nach 12 Isonzoschlachten im 1. Weltkrieg und Partisanenkämpfen im 2. Weltkrieg, bildet der Fluss und das begleitende Tal die letzte Ruhestätte für die gefallenen Soldaten, deren Zahl an die hunderttausende geht. Geändert hat sich nur die Zugehörigkeit dieses Landstriches, der seit 1918 vorerst zum Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen, dann zur Republik Jugoslawien und nunmehr zum Gebiet der Republik Slowenien zählt.
Geblieben aber sind die zahlreichen Soldatenfriedhöfe, die mit ihren Grabkreuzen und Denkmälern an diese Kriegsopfer erinnern und zum Nachdenken anregen. Neben den staatlich zuständigen Stellen in Slowenien kümmert sich der Deutsche Volksbund (VDK), das Österreichische Schwarze Kreuz – Kriegsgräberfürsorge und das ungarische sowie das italienische Pendant um die Erhaltung der Gräber für ihre im Krieg umgekommenen Soldaten.

Gedenken am österreichisch-ungarischen Soldatenfriedhof Modrejce; Soldaten von einst und heute mit Militärdekan MMag. Longin

In Erinnerung an die kriegerischen Auseinandersetzungen von damals und zum Andenken an die Opfer auf beiden Seiten wurde an diesem Mai-Wochenende vom Volksbund zu einem zweitägigen Treffen auf dem italienischen Soldatenfriedhof Kobarid (Karfreit), am österreichisch-ungarischen Friedhof in Modrejce und auf der deutschen Kriegsgräberstätte in Tolmin geladen. Während in erstgenannten Friedhöfen stille Kranzniederlegungen erfolgten, war die deutsche Kriegsgräberstätte der gewählte Austragungsort für die große Gedenkfeier.
Die Bedeutung dieser Veranstaltung spiegelte die Anwesenheit hochrangiger Ehrengäste, wie in Slowenien akkreditierte Botschafter und repräsentative Abordnungen von Militär- und Veteranenverbänden aus Deutschland, Österreich, Ungarn, Italien und Slowenien wieder. 
Österreich war mit den Angehörigen des Militärkommandos Kärnten unter dem stv. Militärkommandanten Oberst Eder an der Spitze, Abordnungen der Kameradschaftsbünde Salzburg und Kärnten und dem ÖSK, u.a. mit dem Kärntner Landesgeschäftsführer Generalmajor i.R. Gerd Ebner, vertreten.

In der deutschen Gedenkstätte in Tolmin: auf dem Weg zur Kranzniederlegung von li.: Vertreter der ital. Botschaft in Laibach, Oberst i.R. Barthou, I.E. Botschafterin Mag. Berka, LGF Kärnten GenMajor Mag. Ebner, Oberst i.G. em. Stendardo

Der österreichischen Botschafterin in Slowenien I.E. Mag. Sigrid Berka war die Ehre zugedacht worden, in der deutschen Kriegsgräberstätte in Tolmin die Gedenkansprache zu halten. Und – entgegen sonstigen Gepflogenheiten, das Gedenken an die hier eingesetzten Soldaten mit Fakten, Daten und Zahlen zu untermauern – brachte sie das Schicksal ihres Großvaters den zahlreichen Gästen näher.
I.E. Mag. Berka: „Ich habe immer das Foto meines Großvaters vor Augen, wie er sich gemeinsam mit anderen jungen Männern aus seinem Heimatort Saalfelden mit Blumen am Hut und einem Lächeln auf den Lippen nach der Stellung 1915 fotografieren ließ. Als er nach drei Jahren im Krieg und eineinhalb Kriegsgefangenschaft Ende 1919 nachhause zurückkam, erkannte ihn seine eigene Mutter kaum wieder!“
Sie schloss ihre Ansprache mit den Worten „Ich glaube fest daran, dass trotz aller Gegensätze und unterschiedlichen Interessen innerhalb der Europäischen Union wir das große Ganze niemals aus den Augen verlieren dürfen – nämlich Frieden auf unserem Kontinent zu bewahren“.
Das Verbindende für Veranstalter und Gäste in Form des Protokolls und der Betreuung lag in den Händen des Bürgermeisters der Stadt Tolmin Herrn Uros Brezan und seinem Team. Für die Republik Slowenien sprach der Vertreter des Verteidigungsministeriums Herr Samo BEVK. Den geistlichen Zuspruch in Form von Gebet und Segen erteilten ungarische und slowenische Militärgeistliche sowie Militärdekan MMag. Dr. Remo Leonhard Longin von der  Militärpfarre Kärnten. 
Die Europahymne beendete diesen Gedenkakt, wobei im Anschluss das Verlesen letzter Briefe von der Front, vorgetragen von Kadetten der ungarischen Armee, erfolgte.

Alexander Barthou, GS / Bilder: ÖSK