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Außergewöhnliche Gedenkfeier mit Schülern und
der Stadtverwaltung in Chieri

„Citta´ di Chieri:
In onore dei  caduti
In difesa della pace
Stadtgemeinde Chieri:
Zu Ehren der Gefallenen
Zur Verteidigung des Friedens“
- so stand es in der Einladung von Bürgermeister Agostino Gay.

Wir dürfen aber vom Beginn an berichten: Der Bürgermeister von Chieri (bei Turin) hat für die Schulen in der Stadt nicht nur die historische Aufarbeitung des  Ersten Weltkrieges und im besonderen der 25 Gräber von k.u.k. Soldaten am städtischen Friedhof als Thema ausgeschrieben, sondern auch die Aufgabe gestellt, das Menschliche, Familiäre der in der Gefangenschaft verstorbenen Österreicher auszuforschen, darzustellen und aufzuarbeiten.  Auf diesem Friedhof wurden der Jüngste, Johann Griesbauer im Alter von 18 Jahren, und der Älteste, Andreas Lux mit 44 Jahren, bestattet. Die Scuola Media Statale „M.L.Quarini“ hat sich letztlich dieser Aufgabe angenommen und von dieser Schule war es wieder die Klasse 3c mit der Schulleiterin Prof. Susanne Roglia, Prof. Anna Troppino und Prof. Roberto Destefanis, dem Historiker.
Über den Österreichischen Verteidigungsattaché an der Botschaft in Rom kamen die entsprechenden Unterlagen mit der Bitte an das Generalsekretariat des ÖSK zu versuchen, Licht in das Leben jener Kriegsgefangenen, die hier in den Jahren 1915 bis 1918 verstorben sind, zu bringen.
In der Landesgeschäftsstelle hat man zwei Tiroler in dieser Liste gefunden und es war möglich, mit Hilfe des Pfarramtes Pfunds - Peter Schwienbacher - und dem Amtsleiter des Gemeindeamtes Natters, Josef Praxmarer, über die beiden Soldaten Johann Schuchter, geb. 1875 in Pfunds und Johann Payr aus Natters mehr zu erfahren, da es noch Verwandte gibt und diese Informationen an die Schule in Chieri weiterzugeben. Es war sogar möglich mit Hilfe der Familien Sterbebilder zu erhalten und damit Porzellanbilder zu machen, die in der Folge am jeweiligen Grabkreuz angebracht werden konnten. Sie wurden damit aus der Anonymität geholt.
Von der Stadt Chieri ist besonders die gute Zusammenarbeit und große Unterstützung von Natalino Contini, Leiter des Sekretariats des Bürgermeisters, hervorzuheben.

Der österreichische Honorarkonsul Dr. Ing. Riccardo Totta enthüllt die Porzellanbilder der Verstorbenen.
bild: osk

Besonderer Wunsch - besondere Feier
Es war der Wunsch der Stadtverwaltung und der Klasse 3c auf dem österreichischen Soldatenfriedhof am 4. November des vergangenen Jahres eine besondere Feier zu veranstalten, zu der ein Vertreter der Landesgeschäftsstelle Tirol und der österreichische Honorarkonsul Dr. Ing. Riccardo Totta aus Turin eingeladen worden waren.
Die österreichischen Gäste wurden mit einer Herzlichkeit empfangen, die beispielhaft war. Es ging so weit, dass Comm. Silvio Selvatici, der Vizepräsident der Vereinigung „Per i Caduti  Senza Croce“ dem Vertreter der Landesgeschäftsstelle Tirol des ÖSK die Ehrenmitgliedschaft verliehen hat.
Nach der eindrucksvollen Feier am großen Soldatenfriedhof der Stadt, an der alle politischen Vertreter und Abordnungen des Heeres und der Luftwaffe, der Carabinieri sowie auch alle Veteranenvereine der Alpini, Bersaglieri und auch eine große Abordnung der Nationalen Vereinigung unter Führung des Vizepräsidenten Comm. Silvio Selvatici „Per i Caduti Senza Croce“ und eine Schülerabordnung teilnahmen, bewegte sich die Versammlung mit der Musikkapelle der Stadtpolizei zum österreichischen Soldatenfriedhof. Dort erfolgte nach den Ansprachen des Bürgermeisters, des österreichischen Honorarkonsuls und des Vertreters aus Tirol die Kranzniederlegung. Die beiden Bilder an den Grabkreuzen wurden vom Honorarkonsul und dem Vertreter des ÖSK Tirol enthüllt. Hier sei nur noch festgehalten, dass die beiden Teile des österreichisch-ungarischen Friedhofes, gepflegt von der Stadt Chieri, in einem hervorragenden Zustand vorzufinden waren.

Die Klasse 3c der Scuola Media Statale „M.L.Quarini“ mit Ernst E. Murrer, Prof. Roberto Destefanis (mit Urkunde) Schulleiterin Prof. Susanne Roglia, Prof. Anna Troppino und Bürgermeister Agostino  Gay (v. li.) nach der Verleihung der ÖSK-Auszeichnung
bild: osk

Besuch der Schule und Auszeichnung
Am Folgetag hatte die Tiroler Delegation die Gelegenheit, die Schule zu besuchen und mit den Professoren und den Schülern über ihre Aufgabe zu sprechen und sich auch für ihr Interesse und die gute Vorarbeit und ihr Bemühen der Aufarbeitung der Geschichte, auch im Bezug auf den österreichischen Anteil, zu bedanken. Zur allgemeinen Überraschung konnte bei dieser Gelegenheit  Prof. Roberto Destefanis die vorgesehene Auszeichnung des Österreichischen Schwarzen Kreuzes, Landesgeschäftsstelle Tirol, für die Klasse 3c im Beisein des Lehrkörpers und des Bürgermeisters, überreichen.
In der kurzen Ansprache hat der Vertreter aus Tirol auch die Versicherung abgegeben, sich weiter zu bemühen, dass auch für die Verstorbenen aus den anderen Bundesländern die Suche nach Informationen weiter geführt werden wird.
Abschließend gaben der Bürgermeister und die Schulleiterin der Hoffnung Ausdruck, dass die Verbindung und Zusammenarbeit auch in weiterer Zukunft aufrecht erhalten werden wird.
Dem Wunsch der Stadt und der Vereinigung „Per i Caduti Senza Croce“ entsprechend bemüht sich die Landesgeschäftsstelle Tirol in Zusammenarbeit mit dem Militärkommando Tirol, GenMjr Mag. Herbert Bauer, mitzuwirken und zu helfen, dass die Verlegung der österreichisch- ungarischen Grabstätten vom städtischen Friedhof Chieri auf den großen Soldatenfriedhof der Stadt noch in diesem Jahr durchgeführt werden kann. Ein würdiger Platz  wäre  bereits für diese Aktion vorgesehen.    
Kurator Ernest Murrer


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