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Nur die Friedhöfe blieben zurück

Am 6. September 2008 wurde der vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge geschaffene Sammelfriedhof für die Gefallenen des Zweiten Weltkrieges im Kaukasus und des ehemaligen Kuban-Brückenkopfes eingeweiht. Diese 3,1 ha große Kriegsgräberstätte liegt in Apscheronsk, in den westlichen Ausläufern des russischen Kaukasus im Gebiete von Krasnodar, in einem landschaftlich schön gelegenen Teil auf einer natürlichen Lichtung eines Eichenmischwaldes. Schon im Jahre 2005 konnten etwa 6.200 Tote vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge dort zur Ruhe gebettet werden (siehe Mitteilungen und Berichte 1/2006).
Bei den Kämpfen in diesem Gebiet starben etwa 45.000 Angehörige der Deutschen Wehrmacht. Viele Grablagen sind heute nur noch schwer zu finden und sind Bergungen in den schwer zugänglichen Gebirgsregionen überaus mühsam.
Im Bereiche des Friedhofes befand sich bis in die Nachkriegsjahre ein kleines Dorf, in dem während des Krieges auch deutsche Gebirgsjäger einquartiert waren.
Der Ort wurde nach dem Krieg durch Umsiedlungsmaßnahmen aufgelöst.
Bis heute wurden etwa 6.600 Tote dort eingebettet. Rund 6.800 Namen wurden auf Granitstelen dokumentiert. Es wurden nicht nur die Namen der eindeutig identifizierten Toten und jener, die sehr wahrscheinlich unter den Unbekannten ruhen, ausgewiesen, sondern erstmals auch die Namen jener Toten, deren Angehörigen dies wünschten, obwohl sie (noch) nicht gefunden werden konnten.

Letzter Gruß derehemaligen Feinde

Kampf um die Ölfelder
Zum Verständnis der Kriegslage im Jahre 1942 soll an dieser Stelle kurz und ohne historische Vollständigkeit zusammenfassend und verkürzt dargestellt werden:
Im Sommer 1942 erging von Seiten der Wehrmachtsführung der Befehl mit der Heeresgruppe B (6. Armee!) Richtung Stalingrad, heute Wolgograd, anzugreifen und mit der Heeresgruppe A (Generalfeldmarschall von List) die Ölfelder zwischen Kaukasus und dem Kaspischen Meer zu erobern. Die beteiligte 17. Armee und zwei Gebirgsdivisionen trugen die Hauptlast um die Hochpässe des Kaukasus zu überwinden, mit dem Ziele die Küstenstraße von Noworossisk im Norden des Schwarzen Meeres nach Suchumi zu erreichen. Das Jägerkorps mit der Jägerdivision 97 sollte entlang der „Ölstraße“ von Maikop nach Tuapse marschieren. In weiterer Folge war Tiflis und weiterhin im Osten Baku an der Küste des Kaspischen Meeres das strategische Ziel. Der Griff nach dem Öl schon damals!
Dadurch, dass die Angriffsziele Stalingrad und der Kaukasus zugleich vorgegeben wurden, trat eine vorhersehbare Zersplitterung der Kräfte der Wehrmacht ein, was von der Truppe extreme Belastungen erforderte und letztlich nicht zu dem angestrebten Ziel führen konnte. Die Truppen der Deutschen Wehrmacht erreichten zwar den Terek, drangen über diesen hinaus vor, blieben dann aber durch den extremen Widerstand der Sowjetarmee liegen und konnten den Feldzug nicht wie vorgesehen weiterführen.
Die Gebirgsjäger, gestützt auf Gebirgsdivisionen aus dem Raum des heutigen Österreich und Bayern, kämpften sich in über 2000 m Höhe zum Abstieg auf das Schwarze Meer vor, sahen dieses bereits aus ca. 30 km Entfernung und konnten die vorgegebenen Ziele gleichfalls nicht erreichen. Der Widerstand des Gegners und die Schwierigkeiten der Natur forderten von der Truppe unvorstellbare Strapazen und demgemäß schwere Verluste. Immerhin konnte im Zuge dieser Aktion die Besteigung des 5.633 m hohen Elbrusgipfels erreicht werden, eine „alpine“ Leistung spektakulären Ausmaßes, selbstverständlich ohne jede militärische Bedeutung. Dieser Bergerfolg ließ damals zumindest die europäische Welt immerhin aufhorchen, was ja offenbar auch derHauptzweck der Aktion gewesen war.

Im Gebiet von Krasnodar liegt die Kriegsgräberstätte von Apscheronsk

Unternehmen Kaukasus endete mit einer Niederlage
Das Unternehmen Kaukasus endetesomit trotz hohen menschlichen Einsatzes mit einer Niederlage, der zwischen 50.000 und 100.000 Soldaten zum Opfer fielen. Unter diesen Opfern auch der Bruder des Ehrenpräsidenten Richard Wagner des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, der am 24. Oktober 1942 als Angehöriger der 97. Jägerdivision nach schwerer Verwundung den Tod fand und erst vor zwei Jahren nach Apscheronsk umgebettet werden konnte. An dieser Stelle Herrn Präsidenten Wagner für die diesbezüglichen Informatio-nen, herzlichen Dank!
Zu ergänzen ist noch, dass der Kriegsschauplatz des Zweiten Weltkrieges in und um den Kaukasus relativ wenig in der Erinnerung der interessierten Bevölkerungskreise verankert ist. Das Geschehen wurde offenbar von der Katastrophe der 6. Armee in Stalingrad (Wolgograd) verdrängt. Umso mehr Verdienst kommt dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge zu, den Sammelfriedhof für die Gefallenen des Kaukasusgebietes und des Kuban-Brückenkopfes nach Überwindung beträchtlicher Schwierigkeiten nunmehr in Apscheronsk weitmöglichst hergestellt und eingeweiht zu haben. Die Hälfte der Gefallenen ist in ihren einsamen Gräbern im Gebirge und dichten Wäldern verborgen. Sie sollen gleichfalls in Apscheronsk der Erinnerung anvertraut werden!
Es wurde schon darauf hingewiesen, dass in diesem Hochgebirgsmassiv sehr wesentlich
Gebirgsjäger und damit österreichisch-bayrische Truppen eingesetzt waren. Daher müsste vor allem im Österreich unserer Tage die Erinnerung daran besonders gepflegt werden.

Würdevolle Feierstunde
Die überaus würdevolle Gestaltung der Feierstunde in Apscheronsk am 6. September 2008 brachte die Arbeit der Kriegsgräberfürsorge im Rahmen der Kaukasusfront zu einem vorläufigen Abschluss, der mit den Worten gewürdigt werden soll, die ein einschlägiges Bild aus dem Kaukasus aus der Kriegszeit sinnbildlich unterstreicht: „Nur die Friedhöfe blieben zurück“
Dr. Heinrich Schöll, Präsident

Literatur:
Paul Carell: „Der Rußlandkrieg fotografiert von Soldaten“
Deutsche Buchgemeinschaft Berlin-Damstadt-Wien, 1969

Gedenkfeiern in Potelitsch und Charkow

Am 17. bzw. 25. Mai 2008 gedachte man der Errichtung der großen Sammelfriedhöfe in der Ukraine.
Etwa 400.000 deutsche Soldaten sind während des Zweiten Weltkrieges in der Ukraine gestorben. Etwa ein Drittel der Gefallenen wurde bisher vom Umbettungsdienst geborgen und jedes Jahr kommen Tausende dazu.
Diese Toten finden ihre letzte Ruhestätte auf einer der fünf zentralen Kriegsgräberstätten. So haben in Potelitsch rund 11.000 und in Charkow über 37.000 deutsche Soldaten ihre letzte Ruhestätte gefunden. Viele davon konnten anhand der Erkennungsmarke identifiziert werden.

In Potelitsch haben rund
11.000 Soldaten
ihre letzte Ruhestätte
gefunden.

Leider kommt es noch immer vor, dass Militaria-Sammler die Gräber plündern und so eine spätere Identifizierung der Toten verhindern.
In diesem Sinne wiederholen wir den Wunsch und die Bitte der Umbetter „Wenn es keinen Markt gäbe, würde niemand solche Gegenstände entwenden, daher unser Appell: Kaufen Sie keine Erkennungsmarken! Nur so haben wir die Chance, einem Toten wieder seinen Namen zu geben“.

Mag. Josef Schantl, Generalsekretär

Kranzablösen zugunsten des ÖSK

Immer mehr Menschen wünschen, dass bei ihrer Beerdigung auf Blumen und Kränze verzichtet wird. Viele Freunde und Förderer des Schwarzen Kreuzes bitten stattdessen um Spenden für die Kriegsgräberfürsorge. Damit wollen sie über den Tod hinaus die Friedensarbeit des ÖSK gewährleistet sehen. Vom ÖSK erhalten die Angehörigen eine Auflistung der eingegangenen Spenden. Auch wird den Spendern persönlich gedankt. Der Tod eines nahe stehenden Menschen ist ein besonderer Verlust. Umso mehr sind wir zu Dank verpflichtet, wenn die Angehörigen beabsichtigen, unsere humanitäre Arbeit zu unterstützen.

Russland: Kontakte erfolgreich ausgebaut

Die Kontakte zu Russland konnten in den letzten Jahren erfolgreich ausgebaut werden. Durch die guten Beziehungen zu russischen Behörden ist es schon gelungen, auch in Zusammenarbeit mit dem ÖSK-Vizepräsidenten und Leiter des Ludwig-Bolzmann-Institutes in Graz, Univ.Prof. Dr. Stefan Karner, viele Schicksale von in russische Gefangenschaft geratenen Soldaten aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg sowie von Vermissten zu klären. Aber erst in den letzten Jahren ist es auch möglich, Einschau in russische Archivunterlagen zu halten.
Um die freundschaftlichen und ausgesprochen wichtigen Kontakte in Russland aufrecht zu erhalten, wurde im August d. J. im Auftrag des ÖSK-Präsidenten Dr. Heinrich Schöll, durch die Landesgeschäftsführer von Steiermark und Oberösterreich eine Dienstreise nach Russland durchgeführt.
In enger Zusammenarbeit mit der Österreichischen Botschaft in Moskau, insbesondere mit dem Militärattaché OberstdG Erich Simbürger, konnten wieder ausgesprochen interessante Erkenntnisse über Kriegsgefangene und deren Nachkommen in Erfahrung gebracht werden.
Von Wien über Moskau war das erste Ziel der Reise die Stadt Jekaterinburg im Ural, an der Grenze von Europa zu Asien. Beim Treffen mit dem Bürgermeister und Vizebürgermeister von Jekaterinburg wurde die österreichische Delegation eindrucksvoll über die rasante Entwicklung der Stadt informiert und es wurde auch die Unterstützung unserer Kriegsgräberarbeit zugesagt.
Auf dem Programm stand auch die Besichtigung der Bergbauuniversität und der Gorky Universität mit anschließender Diskussion mit den Rektoren. In der neu gegründeten „Österreich-Bibliothek“ sind bereits viele deutschsprachige Bücher und österreichische Zeitschriften vorhanden. In Zukunft sollen auch die ÖSK-Zeitungen an die Bibliothek gesandt werden.

Vor dem österreichischen Honorarkonsulat in Jekaterinburg - von links: Delegationsmitglied Norbert Schrunner, LGF Friedrich Schuster, LGF ÖkRat Peter Rieser, Giuseppe Vardanega, Geschäftsleiter Alexander Kosintsev, Militärattaché Obst dG Erich Simbürger

Neues Österreichisches Honorarkonsulat
Eine positive Neuerung ist auch das Österreichische Honorarkonsulat, das es seit einiger Zeit in Jekaterinburg gibt. Honorarkonsul Andrey Kosizyn und sein Geschäftsleiter Alexander Kosintsev unterstützen mit dem gesamten Team des Konsulates neben den wirtschaftlichen und kulturellen Interessen auch die Arbeit des ÖSK in vorbildlicher Weise. Für die Fahrt zu den ehem. Gefangenenlagern bzw. den dazu gehörenden Friedhöfen unter der sachkundigen Führung von Univ.Prof. Dr. Vladimir Motrewitsch, wurde vom Konsulat ein Fahrzeug mit Fahrer und Dolmetsch zur Verfügung gestellt.
Besucht wurde der Gefangenenfriedhof des Lagers Nr. 153 in der Stadt Niznij Tagil auf dem 1.140 verstorbene Kriegsgefangene (darunter 16 Italiener) ihre letzte Ruhe gefunden haben. Weiters wurden der Soldatenfriedhof in Nischnaia Salda, ca. 60 km nordöstlich von Niznij Tagil, der Friedhof des Lazaretts Nr. 2929 im „Sverdlovskaja Oblast“ in der Nähe einer Bahnstation namens „Smycka“ an der Bahnlinie zwischen Niznij Tagil und einer Siedlung nahe Molotov, auf dem 1.708 verstorbene Kriegsgefangene begraben liegen sowie der Friedhof des Lagers „Petrovskij“ (Nr. 245) aus dem Zweiten Weltkrieg in der Nähe einer gleichnamigen Siedlung im heutigen „Doneckaja“ Oblast, mit 798 Verstorbenen (darunter 50 Österreicher), besucht.
Unser italienisches Delegationsmitglied Giuseppe Vardanega konnte das erste Mal den Lagerfriedhof Nr. 62 im Sverdlovskaja Oblast/Gebiet Werchna Saldinsk mit 1.154 verstorbenen italienische Kriegsgefangenen besuchen.

Originalaufnahme aus dem Kriegsgefangenenlager


Akten österreichischer Kriegsgefangener
Sehr aufschlussreich und interessant war der Besuch im Jekaterinburger Archiv. Der ÖSK-Delegation wurde die Einschau in Akten österreichischer Kriegsgefangener im Raum Jekaterinburg ermöglicht. Aus den Akten war auch ersichtlich, dass viele Kriegsgefangene anfangs im Gebiet Irkutsk gefangen gehalten und erst einige Jahre später z. B. zur Fabrikarbeit oder Arbeit in der Land- u. Forstwirtschaft in das Gebiet Jekaterinburg überstellt wurden. Als Beispiele werden folgende Eintragungen aus Originalakten angeführt:
Aus der Namensliste der Kriegsgefangenen, welche sich in der Alexander-Forstwirtschaft der Fa. Santonato befunden haben -

Gefangenennummer 3308:
Wagner Franz/33 Jahre/röm-kath./östrr.-ung./Landwirt/2. LW InfReg
Eingerückt in Hainburg
Am 6. Okt. 1914 in Galizien/Homsk gefangen genommen u. nach Irkutsk gebracht
Am 21. April 1916 nach Nischni Tagil im Gebiet Jekaterinburg überstellt.

Gefangenennummer 3155:
Breneis Franz/28 Jahre/röm-kath./östrr.-ung./Landarbeiter/InfReg 59/Wohnort Linz
Am 30. Nov.1914 in Galizien/Nisko gefangen genommen u. nach Irkutsk gebracht
Am 21. April 1916 nach Nischni Tagil überstellt.

Gefangenennummer 3196:
Hartensteiner Martin/34 Jahre/röm.-kath./österr.-ung./Sensenschmied/InfReg. Nr. 58/ Geburtsort Schönberg, Bezirk Judenburg
Am 29. Oktober 1914 in den Karpaten gefangen genommen u. nach Irkutsk gebracht
Am 21. April 1916 nach Nischni Tagil überstellt.

Als Abschluss des offiziellen Besuches in Jekaterinburg wurde ein Kranz am Denkmal der in Gefangenschaft verstorbenen österreichischen Kriegsgefangenen aus den Weltkriegen niedergelegt.

Militärattaché ObstdG Erich Simbürger, LGF Bgm. Friedrich Schuster und LGF LAbg. ÖkRat Peter Rieser beim österreichischen Gedenkstein in Jekaterinburg (von links)

Aufstellung von Gedenksteinen geplant
Ebenso wie schon in Jekaterinburg und in Novosibirsk ist auch in Irkutsk die Aufstellung eines Gedenksteines für in Kriegsgefangenschaft verstorbene österreichische Soldaten aus den beiden Weltkriegen geplant. Für die Führung der ersten Gespräche und die Verbindungsaufnahme mit den zuständigen Behörden war es daher notwendig die Reise nach Irkutsk fortzusetzen. Irkutsk ist die Hauptstadt der russischen Oblast (Bundesland) Irkutsk und liegt am einzigen Abfluss des Baikalsees, der Angara. Die
sibirische Universitätsstadt mit beinahe 600.000 Einwohnern liegt an der Transsibirischen Eisenbahn und entstand aus dem Kosakendorf Ostrog, das 1661 vom Kosakenführer Jakov Pochabov am Angarafluss gegründet wurde.
In Irkutsk angekommen, gab es für die ÖSK-Delegation einen sehr freundlichen Empfang beim stv. Gouverneur des Irkutsker Gebietes, Juri Hurtowou, mit anschließender Pressekonferenz. Unser Militärattache ObstdG Simbürger übernahm dankenswerterweise, neben den zur Verfügung gestellten Dolmetschern, viele Übersetzungsarbeiten. Auch in Irkutsk wurde der ÖSK-Delegation wieder Einschau in Akten von Kriegsgefangenen gewährt.
Äußerst interessant waren auch die im Archiv gezeigten Originalaufnahmen aus den Kriegsgefangenenlagern. Ein Treffen gab es auch mit der Tochter eines in Österreich begrabenen russischen Soldaten, dessen Grablage auf Ersuchen der Tochter vom ÖSK ausfindig gemacht werden konnte. Bei der Suche und Information über Grabstätten von österreichischen Kriegsgefangenen war uns Aleksandr Novikov vom Präsidium der russischen Gesellschaft zur Erhaltung von Denkmälern, Geschichte und Kultur sehr behilflich.

Die Gedenkstätte in der Nähe des Dorfes Povovaricha für erschossene Repressierte von 1937/1938

Seine Aussagen dazu: „Bei der Machtübernahme der Bolschewiki in Irkutsk im Jänner 1918 befanden sich nach verschiedenen Quellen zwischen 3.000 und 5.000 Österreicher in den Kriegsgefangenenlagern. Die Bolschewiki schlugen ihnen im Februar-März 1918 die russische Staatsbürgerschaft vor und die Aufnahme in die Reihen der Roten Garde mit Unterhalt und Bezahlung. Viele der ehemaligen österreichischen Kriegsgefangenen nützten diese Gelegenheit. Ende Mai rückte das tschechische Korps vor, aus dem Untergrund traten russische Offiziersorganisationen hervor. Es bildete sich die Ostfront unter dem Kommando des tschechischen Oberst Gaida Rudolf Iwanowitsch. Es bildete sich das Mittel-Sibirische Korps von Weißgardisten unter der Führung von Oberst Pepeljaew A. N. Am 11. Juli 1918 nahmen die Truppen der provisorischen Sibirischen Regierung Irkutsk ein. Dann kam der Befehl, dass die ehemaligen österreichischen Kriegsgefangenen in die Lager zurückzukehren haben (die Lagerorte sind bekannt), ein Teil von ihnen diente jedoch weiter für die Bolschewiki. Die bewaffneten Auseinandersetzungen, bei denen auch ehemalige österreichische Staatsbürger (Rotgardisten) ums Leben gekommen sind, dauerten von Ende Juni bis Ende August 1918 und zogen sich von Nishneudinsk bis Tschita und zur Station Mantschuri.
Zirka 100 Österreicher wurden nach den Kämpfen zwischen dem 16. und 17. August 1918 bei der Station Posolskaja in Burjatia erschossen. Sie wurden dort in einem Massengrab beerdigt. Ein Denkmal ist erhalten.
Fast genau so viele Österreicher wurden von dem Anarchisten N. I. Kalandaraschwili im Bezirk Troizkosavsk, im Süden von Burjatia, erschossen. Einzelgräber gibt es auf dem Staro-Lisichinsk Friedhof, in Tschita und an anderen Plätzen. Nicht weniger tragisch ist das Schicksal jener Österreicher verlaufen, die die russische Staatsbürgerschaft angenommen haben. Im Gebiet von Irkutsk sind das bis zu 1.000 Menschen.
Laut „Gedenkbuch“ sind von den 32.000 Personen, die in den Jahren 1937-1938 Repressionen unterworfen wurden, einige Hunderte ehemalige österreichische Staatsbürger in den Jahren 1937-1938 durch Erschießung ums Leben gekommen. Die meisten von ihnen ruhen auf dem Friedhof in der Nähe des Dorfes Pivovaricha.“
Von Irkutsk ging die Reise zurück nach Moskau, wo Besprechungen in der Österreichischen Botschaft mit dem stv. Botschafter Dr. Liebmann und dem Wirtschaftsattasché stattfanden.

In der Raiffeisenbank Russland in Moskau v.li.: LGF LAbg. ÖkRat Peter Rieser, LGF Bgm. Friedrich Schuster, Dir. Johann Jonach, Norbert Schrunner, ObstdG Erich Simbürger

Vor der Rückreise nach Wien stand noch eine Besprechung mit dem Direktor der Raiffeisenbank Russland Johann Jonach auf dem Programm, der zusagte, einzelne Projekte des ÖSK in Russland finanziell zu unterstützen.
LGF Friedrich Schuster

Gedenkfeier am Mt. Pasubio

Im Juni nahm LGF Bgm. Friedrich Schuster an der Gedenkfeier für Gefallene des Ersten Weltkrieges am Pasubio, in Vertretung des ÖSK-Präsidenten Dr. Heinrich Schöll, teil. Er wurde von Seiner Kaiserlichen Hoheit Erzherzog Markus v. Habsburg-Lothringen aus Bad Ischl und Comm. Mario Eichta aus Trient begleitet. Anwesend war auch der LGF von Kärnten, GenMjr i. R. Gerd Ebner mit einer starken Delegation aus Kärnten.

Erzherzog Markus von Habsburg (mi.) mit LGF Bgm. Friedrich Schuster, Comm. Mario Eichta und einer Abordnung der Tiroler Kaiserjäger aus Jenbach beim Denkmal am Monte Berico in Vicenza, welches die sterblichen Überreste der Gefallenen der Schlacht im Juni 1848 birgt.

In dieser Frontlinie standen sich italienische und österreichische Truppen jahrelang gegenüber. Vor allem der gegeneinander gerichtete Minenkrieg (Unterminierung der gegnerischen Gipfel am Pasubio) hat unzähligen Soldaten auf beiden Seiten das Leben gekostet.
Es war eine beeindruckende Feier, an der zahlreiche italienische Traditionsverbände, Vertreter des italienischen Militärs und des öffentlichen Lebens, ein ehem. italienischer Soldat, der noch aktiv im Ersten Weltkrieg gekämpft hat sowie Kaiserjäger aus Jenbach teilnahmen.

Zur Gedenkfeier angetretene Traditionsverbände; im Hintergrund das Ossarium

Am Vortag standen in Begleitung von Erzherzog Dr. Markus Habsburg Besichtigungen von Plätzen in Vicenza auf dem Programm, die auch Mitglieder des Kaiserhauses Habsburg, wie z. B. Kaiserin Elisabeth, in der Zeit der österr.-ung. Monarchie besuchten.

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